Zusammenfassung

  • Druck am Arbeitsplatz, eine problematische Beziehung, Konflikte, ausgeprägter Perfektionismus oder auch psychische Erkrankungen lösen Stress aus.
  • In einer Stresssituation reagiert der Körper, in dem er eine Notfallreaktion einleitet, im Rahmen derer körperliche Prozesse ablaufen, die den Körper auf Kampf oder Flucht vorbereiten:
    • eine erhöhte Atemfrequenz sorgt dafür, dass mehr Sauerstoff in den Körper gelangt
    • ein beschleunigter Herzschlag pumpt vermehrt Blut in die Organe, um sie zu versorgen
    • eine erhöhte Muskelanspannung ermöglicht das Weglaufen oder den Angriff, etc.
  • Unter Biofeedback versteht man die Aufzeichnung, die technische Weiterverarbeitung und die visuelle oder akustische Rückmeldung (feedback) dieser körperlichen Prozesse (bio). Ziel ist dabei, die Prozesse sichtbar zu machen und die zu Grunde liegenden Mechanismen günstig zu beeinflussen.

Hintergrund

Ganz allgemein wird unser Körper über das zentrale Nervensystem (ZNS) gesteuert, welches aus Gehirn und Rückenmark besteht. Als peripheres Nervensystem (PNS) bezeichnet man alle Nerven, die nicht zum ZNS gehören. Das PNS teilt sich auf in das somatische Nervensystem und das autonome Nervensystem. Das somatische Nervensystem beinhaltet die Wahrnehmung über Sinnesorgane und die Willkürmotorik. Das autonome Nervensystem beinhaltet Prozesse, die „autonom“, d. h. selbstregulierend und ohne direkte willentliche Kontrolle ablaufen. Dies geschieht über zwei Nervenstränge: den Sympathikus und den Parasympathikus. Beide Nervenstränge versorgen die gleichen Organe, nur hat das sympathische Nervensystem die Aufgabe, den Körper auf Kampf oder Flucht vorzubereiten, während Aktivität im parasympathischen Nervensystem dazu führt, dass der Körper sich erholt und „die Akkus wieder aufgeladen werden“.

Stress im Allgemeinen (z.B. durch Druck am Arbeitsplatz, auf Grund einer problematischen Beziehung, durch großen Perfektionismus oder auch durch psychische Erkrankungen) führt nun dazu, dass sich der Körper durch Aktivierung des sympathischen Nervensystems auf Kampf oder Flucht einstellt. Dazu leitet er an den Organen die nötigen Veränderungen ein: Erhöhter Herzschlag, verengte Gefäße, erhöhte Atemfrequenz, Blutdruckanstieg, erhöhter Muskeltonus, reduzierte Verdauung etc.

Man kann an den jeweiligen Organen Signale ableiten und damit feststellen, wie ausgeprägt deren Aktivität gerade ist, um damit Rückschlüsse auf die Aktivität von Sympathikus und Parasympathikus zu ziehen. Wenn diese Aktivität erfasst ist, kann erlernt werden, sie mit Hilfe des so genannten Biofeedbacks zu verändern.

Biofeedback

Unter Biofeedback versteht man die Aufzeichnung, die technische Weiterverarbeitung und die visuelle oder akustische Rückmeldung (feedback) solcher körperlichen Prozesse (bio). Ziel dabei ist das Erlernen einer Fähigkeit, diese körperlichen Prozesse (und damit die Aktivität im sympathischen bzw. parasympathischen Nervensystem) in eine gewünschte Richtung zu verändern.

Aufgezeichnet werden können die Atmung, der Herzschlag, die Muskelanspannung, der Blutdruck, die Weite und Enge von Blutgefäßen, die Hautleitfähigkeit (wie sehr die Hände schwitzen) sowie das EEG (http://de.wikipedia.org/wiki/Elektroenzephalografie). Üblicherweise werden die Signale an der Körperoberfläche mit geeigneten Sensoren erfasst und an einen Computer weitergeleitet, in dem sie verarbeitet und schließlich dann über den Monitor zurück gemeldet werden.

Die Anwendung von Biofeedback ist insgesamt sinnvoll zur Förderung der allgemeinen Entspannung, bei affektiven Erkrankungen (Depression, Dystymia,…), bei Somatisierungsstörungen (körperliche Symptome ohne erkennbare körperliche Ursache), bei chronischen Schmerzen inkl. Spannungskopfschmerz und Migräne, bei Bluthochdruck und bei Harn- und Stuhlinkontinenz und Verstopfung oder auch bei Angsterkrankungen wie im folgenden Beispiel.

Anwendungsbeispiel: Biofeedback bei einer Angsterkrankung

In einer Situation wie bspw. dem Fahrstuhl kommt es zu einem Anstieg des Herzschlags. Vielleicht liegt die Ursache in sorgenvollen Gedanken vor dem Betreten des Fahrstuhls: „Ich könnte stecken bleiben!“ Dieser Gedanke verursacht Angst/Stress, das sympathische Nervensystem leitet seine „Notfallreaktion“ ein, Herzschlag und Atmung, etc. steigen an. Eine erhöhte Atemfrequenz kann zur Hyperventilation heranwachsen. Hyperventilation führt unter anderem durch den Abfall der CO2-Konzentration im Blut zu einem beschleunigten Herzschlag. Dies wird im Fahrstuhl wahrgenommen und wiederum als Bedrohung bewertet: „Jetzt bekomme ich im Fahrstuhl einen Herzinfarkt!“. Hier kann die Anwendung von Biofeedback von Nutzen sein, um Atmung, Herzschlag und Hautleitfähigkeit grafisch darzustellen:

  • Durch die Rückmeldung der Atmung kann Hyperventilation verdeutlicht und beherrscht werden.
  • Eine Rückmeldung des Herzschlags führt dazu, dass eine Veränderung im Herzschlag nicht als bedrohlich interpretiert sondern als „normal“ eingeschätzt werden kann.
  • Auch die Rückmeldung der Hautleitfähigkeit kann sinnvoll sein, um die körperliche Reaktion auf emotionale Zustandsveränderungen (zum Beispiel durch sorgenvolle Gedanken) und damit den Zusammenhang zwischen emotionalem und körperlichem Stress zu verdeutlichen. Da Stress über das sympathische Nervensystem zu vermehrtem Schwitzen und damit zu einem Anstieg der Hautleitfähigkeit führt, ist das Ziel eine Reduktion selbiger.biofeedback - Computermonitor
    Diese Grafik zeigt einen Computermonitor, der die aufgezeichnete Hautleitfähigkeit zurück meldet. Die Darstellung erfolgt als Linie oben rechts. Links ist die Höhe der Hautleitfähigkeit als Balken dargestellt. Im vorliegenden Beispiel wurde zunächst ein durchschnittlicher Wert der Hautleitfähigkeit bestimmt. Dieser Wert wurde als Schwelle in die Balkendarstellung integriert. Wird nun die Schwelle unterschritten (die Hautleitfähigkeit reduziert und damit die Aktivität des sympathischen Nervensystems), startet eine Animation und der Smiley lächelt.